... und wieder steht die "Brückenfrage" am Anfang: Wie verbindet man die für die meisten Menschen heute ungeliebte Tätigkeit des Waschens (noch dazu außerhalb der eigenen vier Wände) mit einer angenehmen Stimmung? Das klingt nach Pawlow und der Konzeption einer "positiven Bestärkung" durch die Bildung einer "Reiz-Kopplung". Richtig!
Und die notwenige Wiederholung zur Wirksamwerdung dieser Reiz-Kopplung soll der geneigte Konsument in eigener Entscheidung selbst betreiben - so die Grundidee.

Das Waschautomaten-Schach nach einer Idee von Waldemar Sulewski fand im vergangenen Jahr häufigen Einsatz bei den Interventions-Börsen, die KiöR zu verschiedenen Veranstaltungen und Straßenfesten aufgebaut hat, um über Kunst im öffentlichen Raum zu diskutieren. Neben einem nach außen gekehrten Treppenflurmodell mit 16 Türen, die je in eine kleine Besenkammer führen, in der wiederum die Essenzen in der Vergangenheit realisierter künstlerischer Arbeiten zu finden waren, stand auch das "Waschautomaten-Schach" bereit. Überraschend war für uns, dass sich ständig Spieler/innen einfanden, die dann auch gleich von Neugierigen umringt waren.

Die irritierende Aufmachung - ist die Schleuder nun das Pferd oder der Läufer - verlagerte das Spiel regelmäßig in einen neuen Aufmerksamkeitsbereich, der auch geübte Spieler aus dem Konzept zu bringen geeignet war und so die Chancen der Anfänger auf erfolgreiche Züge erheblich steigerte.

Was kann uns dieses Experiment vermitteln? Durch die ästhetische Veränderung einer allseits bekannten Umgebung wird eine Projektionsfläche für neue Interessen geschaffen, die eine breitere Kommunikation ermöglicht. Die bisherige Zielsetzung - im Falle des Schachspiels die Konzentration auf Gewinnstrategien - wird gebrochen und aufgelockert. Das Spiel beginnt neue Funktionen zu übernehmen: Man spricht über die Faszination von Modellen, über den anstehenden Waschtag, über handwerkliche Geschicklichkeit, über "Verwechslungen" im Allgemeinen und Besonderen. Das Spiel ist nurmehr Anlaß, sich zu versammeln und ein Schwätzchen zu halten. Stockt die Kommunikation, kann man sich wieder dem "eigentlichen" Spiel zuwenden, statt verlegen von einem Bein auf das andere zu treten.

  Direktlinks

Zum Bastelbogen (PDF)
Der Grundriß (PDF)
Das Banner (PDF)

Waschautomaten-Schach (PDF)

Bildergalerie kompakt

Die teilnehmenden Künstler/innen
  Schach und Kommunikation - die Interventionsbörse